PISA 2025: Bessere Bildung gelingt nur gemeinsam

Stellungnahme
08.09.2026

Berlin, 8. September 2026

Die neue PISA-Studie zeigt die schlechtesten Ergebnisse für Deutschland seit Beginn der Erhebung. Die Leistungen der 15-Jährigen in Deutschland sind in den Bereichen Mathematik und Lesen erneut gesunken. Rund jede:r Dritte verfehlt hier inzwischen das Mindestniveau. Zugleich zählt Deutschland weiterhin zu den Ländern mit besonders ausgeprägter Bildungsungleichheit.

Für den Bundesverband Innovative Bildungsprogramme e. V. (BIB) und sein Mitglied TüftelLab ist dies kein neuer „PISA-Schock“, sondern die Fortsetzung eines längerfristigen Abwärtstrends. Die Ergebnisse machen aus Sicht des Verbands und seiner Mitglieder deutlich, dass strukturelle Veränderungen notwendig sind. Ein Bildungssystem, das in wesentlichen Grundzügen aus einer Zeit vor rund 200 Jahren stammt, kann die Anforderungen einer vielfältigen, digitalen und sich dynamisch verändernden Gesellschaft nicht allein bewältigen.

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KURZ ERKLÄRT: PISA

PISA steht für „Programme for International Student Assessment“ und ist die größte internationale Schulstudie. Alle drei Jahre werden die Kompetenzen von 15-Jährigen in mehr als 90 Ländern untersucht. Im Mittelpunkt stehen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften. An der aktuellen Erhebung nahmen weltweit mehr als 760.000 Schülerinnen und Schüler teil. In Deutschland wurden rund 6.700 Jugendliche an etwa 250 Schulen aller Schularten der Sekundarstufe getestet.

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„Lernen in der digitalen Welt“ – ein zentraler Zukunftsbereich

Beim erstmals erhobenen Bereich „Lernen in der digitalen Welt“ liegt Deutschland beim modellbasierten Problemlösen zwar im OECD-Durchschnitt, jedoch weit entfernt von der Weltspitze. Die Jugendlichen können grundsätzlich Probleme mithilfe digitaler Werkzeuge, etwa Algorithmen oder Simulationen, strukturiert bearbeiten. Aber reichen die Kompetenzen auch aus, um in einer sich immer schneller wandelnden Welt Informationen und Fake News kritisch zu hinterfragen?

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Aus Sicht des Bundesverbands Innovative Bildungsprogramme e. V. und des TüftelLabs gehören diese Fähigkeiten zu den wichtigsten Future Skills, die Kindern und Jugendlichen eine selbstbestimmte gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen. Wer digitale Informationen einordnen, Modelle entwickeln, Zusammenhänge verstehen und digitale Werkzeuge sicher nutzen kann, hat bessere Voraussetzungen, sich in Bildung, Beruf und Gesellschaft einzubringen.

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KURZ ERKLÄRT: LERNEN IN DER DIGITALEN WELT

Mit PISA 2025 wird erstmals auch der Bereich „Lernen in der digitalen Welt“ erfasst. Das neue Zusatzmodul richtet den Blick auf Kompetenzen, die für eine digitale Gesellschaft entscheidend sind: modellbasiertes Problemlösen und der kompetente Umgang mit digitalen Werkzeugen. Es geht darum, digitale Technologien nicht nur zu bedienen, sondern sie eigenständig, kritisch und kreativ zum Lernen, Verstehen und Gestalten einzusetzen. Die vollständigen Ergebnisse zum Lernen in der digitalen Welt werden 2027 erwartet.

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Die bisherigen Ergebnisse des Moduls sollten deshalb zum Anlass genommen werden, digitale Bildung nicht auf Ausstattung oder technische Einzelfortbildungen zu reduzieren. Benötigt werden pädagogische Konzepte, qualifizierte Fachkräfte und Lerngelegenheiten, in denen Kinder und Jugendliche selbst tüfteln, ausprobieren, Fehler auswerten und eigene Lösungen entwickeln können. Gerade außerschulische Bildungsorganisationen verfügen hierfür über wichtige Erfahrungen und fachliche Expertise.

Kooperation als Schlüssel für bessere Bildung

Aus Sicht des Bundesverbands Innovative Bildungsprogramme e. V. und des TüftelLabs muss Bildung stärker als gemeinsame gesellschaftliche Aufgabe verstanden werden. Schule bleibt der zentrale Bildungsort, kann aber nicht alle Anforderungen allein erfüllen. Es braucht verbindliche und dauerhaft angelegte Partnerschaften zwischen Schule, Jugendhilfe, Zivilgesellschaft und weiteren Akteur:innen im Sozialraum. Dafür müssen außerschulische Bildungsorganisationen als gleichwertige Bildungspartner:innen anerkannt werden und tragfähige Kooperationsstrukturen zwischen Schulen und Zivilgesellschaft aufgebaut werden.

Gerade hier bestehen weiterhin erhebliche Defizite. Kooperationsprozesse sind häufig unzureichend koordiniert, Zuständigkeiten bleiben unklar und Förderstrukturen sind vielfach kurzfristig sowie unsicher. Bisher sehen wir kaum langfristige Partnerschaften, sondern vielmehr Sammlungen einzelner,
kurzfristiger Projekte.

Wir brauchen keine punktuellen Leuchtturmprojekte, die nach zwei Jahren wieder verschwinden. Wir brauchen tragfähige Bildungspartnerschaften vor Ort, in denen Staat und Zivilgesellschaft ihre jeweiligen Stärken verbinden und gemeinsam Verantwortung für Bildung übernehmen.
Claudine Urban-Schneider, Bundesverband Innovative Bildungsprogramme e. V.
Schule muss systemisch neu gedacht werden. Anscheinend schafft es das System selbst nicht, aus eigener Kraft heraus die richtigen zukunftsfähigen Antworten zu finden. Daher braucht es jetzt außerschulische Akteur:innen und Allianzen, die die jeweilige Fachexpertise mitbringen und Konzepte nicht nur erproben, sondern auch skalieren können.
Sabrina Konzok, TüftelLab

Dabei leisten außerschulische Bildungsakteur:innen bereits heute einen unverzichtbaren Beitrag – insbesondere in der kulturellen, politischen, sozialen, sprachlichen und MINT-Bildung. Sie bringen spezialisierte Expertise ein, erreichen häufig Kinder und Jugendliche, die von herkömmlichen Angeboten nur unzureichend erreicht werden, und stärken die Öffnung von Schule in den Sozialraum. In einer vielfältigen Bildungslandschaft übernehmen sie damit eine wichtige Brückenfunktion zwischen Schule, Familie und Gesellschaft.

Für die digitale Bildung ist diese Zusammenarbeit besonders relevant. Außerschulische Partner können Schulen durch praxisnahe Lernformate, aktuelle Expertise und Zugänge zu neuen Technologien unterstützen. So wird digitale Bildung zu einer gemeinsamen Aufgabe, die über die Anschaffung von Geräten hinausgeht und junge Menschen tatsächlich zum eigenständigen Denken und Handeln befähigt. Der Bundesverband Innovative Bildungsprogramme e. V. und das TüftelLab setzen sich deshalb für ein Bildungssystem ein, in dem zivilgesellschaftliche Bildungsorganisationen als gleichwertige Partner:innen anerkannt und dauerhaft eingebunden werden. Nur wenn Schulen und außerschulische Akteur:innen systematisch zusammenarbeiten, können Bildungsangebote entstehen, die junge Menschen umfassend stärken, ihre unterschiedlichen Lebenslagen berücksichtigen und ihnen echte Teilhabe ermöglichen.

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